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Die Schweiz sollte mehr unternehmen, um die Biodiversität zu retten, so die OECD

 

(Bern, 27. November 2017) - Der Energiemix in der Schweiz ist kohlenstoffarm, die Emissionen sind rückläufig und die Flüsse und Seen werden saniert. Jetzt sollte sich das Land dem jüngsten OECD-Bericht zufolge der Erhaltung der Biodiversität widmen und nachhaltigere Konsummustern anstreben, weil die hohen Müllmengen und der Straßenverkehr die dicht besiedelte Zentralschweiz unter Druck setzen.

Die Verfasser des dritten Umweltprüfberichts Schweiz sind der Ansicht, dass die Schweiz hinsichtlich Energieversorgung, Treibhausgasemissionen und inländischen Materialverbrauchs in Bezug auf das BIP zwar eines der umweltfreundlichsten OECD-Länder ist, doch dringend Maßnahmen zur Rettung der Biodiversität treffen sollte. Vier Fünftel der Schweizer Reptilien, zwei Drittel der Amphibien und ein Drittel der Säugetiere bzw. Vögel sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Dazu zählen auch 60% der Fledermäuse. Verglichen mit dem Niveau in den OECD-Staaten sind diese Ergebnisse schlecht.

Zudem könnte die Schweiz die Umweltgebühren erhöhen. Derzeit gehören sie in Bezug auf das BIP zu den niedrigsten der OECD und nehmen weiter ab. Beispielsweise ist die Kohlenstoffabgabe in der Schweiz mit 77,00 EUR/Tonne zwar hoch, wird allerdings nicht in großem Umfang angewandt. Kraftstoff für den Verkehr und Unternehmen, die ihre Emissionen freiwillig reduzieren, sind zudem von den Gebühren befreit. Ferner könnten mehr Abgaben erhoben werden, um die Umwelt- und Gesundheitsschäden durch den Einsatz von Pestiziden zu mindern. Auch wäre es möglich, die Mobilität, etwa über eine Citymaut, mit Abgaben zu belegen.

„Die Schweiz ist eines der umweltfreundlichsten Länder hinsichtlich des Energiekonsums, aber nicht nachhaltige Konsummuster und der  Rückgang der Biodiversität belasten die Umweltbilanz“, so Masamichi Kono, stellvertretender Generalsekretär der OECD bei der Präsentation des Berichts in Bern. „Als weltweit führende Nation in Forschung und Entwicklung und internationaler Finanzplatz ist die Schweiz ideal aufgestellt, um die Entwicklung ökologischer Alternativen zu fördern und die Klimafinanzierung zu unterstützen.“

Aufgrund des hohen Anteils an erneuerbaren Energieträgern und Kernenergie und der auf den Dienstleistungssektor konzentrierten Wirtschaft weist die Schweiz die niedrigste Kohlenstoffintensität der OECD-Länder auf. Auf fossile Brennstoffe entfällt weniger als die Hälfte der Primärenergieversorgung. Dieser Prozentsatz liegt weit unter dem OECD-Durchschnitt von 84%. Kohle bleibt in der Schweiz mit weniger als 1% deutlich unter dem Niveau der übrigen OECD-Mitgliedstaaten. Die Entscheidung der Schweiz, aus der Kernenergie auszusteigen, bedeutet allerdings, dass sie sich stärker erneuerbaren Energieträgern und energieeffizienten Lösungen zuwenden muss.

Die Schweiz zählt zu den ersten Staaten, die Mikroschadstoffe aus den Abwässern entfernen. Ferner ist sie bestrebt, ihre Flüsse und Seen zu sanieren, von denen viele unter der Umweltverschmutzung leiden oder deren Struktur infolge von Bauvorhaben und Wasserkraftwerken geändert wurden.

Gleichzeitig verzeichnet die Schweiz nach Dänemark das höchste kommunale Abfallaufkommen pro Einwohner in der OECD. Von 2000 bis 2015 erhöhte es sich um 27% auf 742 kg pro Kopf. Tendenz steigend. Der Bausektor produziert jährlich rund 15 Millionen Tonnen Bauschutt. Im Vergleich zu den übrigen OECD-Staaten weist das Land auch ein hohes Straßenverkehrsaufkommen auf.

Die Verfasser des Umweltprüfberichts empfehlen unter anderem:

  • Umsetzung der lang erwarteten Diversitätsmaßnahmen mit quantifizierbaren Zielen und klaren Indikatoren zur Messung des Fortschritts 
  • Verbesserung der Konsummuster, etwa durch die Erstellung einer bundesweiten Müllvorbeugungsstrategie und der Steigerung der Ressourceneffizienz, und höhere Abgaben auf Kraftstoffe im Straßenverkehr 
  • Ausweitung des Anwendungsbereichs der Kohlenstoffabgabe und Abschaffung der bestehenden Steuerbefreiungen und Rabatte auf fossile Brennstoffe 
  • Vereinheitlichung der Ziele und der Finanzierung der Gewässersanierung 
  • Weitere Reduktion der Luftverschmutzung, auch der Ammoniakemissionen, nach dem Verursacherprinzip 
  • Förderung der Öko-Innovation, einschließlich Venture-Kapitals und Nutzung der Position der Schweiz als wichtiges Finanzzentrum zur Förderung ökologischer Investitionen

» Highlights (PDF)

» Mehr zu den Umweltprüfberichten der OECD


Die Journalisten werden gebeten, Catherine Bremer im OECD Media Office (+33 1 45 24 97 00) zu kontaktieren, um weitere Auskünfte zu erhalten oder einen Termin für ein Interview zu vereinbaren.

Die OECD arbeitet mit mehr als 100 Ländern zusammen und ist ein globales wirtschaftspolitisches Forum zur Verbesserung der ökonomischen und sozialen Wohlfahrt der Menschen auf der ganzen Welt.

 

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